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Olympische Spiele: Kritisierenswerte Kritik über Kritiklosigkeit an Putin
09.03.2014 22:50

Hajo Seppelt kommentierte im Deutschlandfunk:"Trotz Krimkrise keine Spur von Kritik an Wladimir Putin, dem Gastgeber der Paralympics: IOC-Präsident Thomas Bach ist personifizierter Ausdruck der Haltungslosigkeit des IOC". Ich kommentierte zurück:

Ach, Herr Seppelt: Wenn der IOC Olympische Spiele in den USA ausrichten ließe, könnte man auf Guantanamo hinweisen und auf zig weitere menschenrechtsverachtende Militärbasen weltweit, wo gefoltert wird ohne Ende. Man könnte auf die völkerrechtswidrigen Angriffskriege der USA im nahen Osten hinweisen, auf die Drohnenbombardierungen gegen vermeintliche Zielpersonen in souveränen Staaten und auf Massenüberwachung selbst unserer Regierung. Dies geschieht jedoch nicht. Diese selektive Wahrnehmung "USA = gut" und "Russland = schlecht" zeigt sehr deutlich, dass die Instrumentalisierung der olympischen Spiele nicht nur für Russland von Vorteil ist, sondern auch für diejenigen Staaten und deren Medien, die Russland etwas ans Zeug flicken wollen. Insofern mag Bach seinen Sekt gerne ausgelassen auch in Gesellschaft von Putin trinken und Sie stoßen mit Ihrem Kommentar genüsslich darauf an. Daraufhin sage ich mal ein sportliches "Prost".

Übrigens: Der "Expansionswahn", den Sie Russland zuschreiben, ist doch in der EU auf wirtschaftlich-politische Weise viel wahnsinniger: Nun soll also auch noch die Ukraine übers Knie gebrochen der EU assoziiert werden? Ein weiterer Konkursstaat? Mit all den rechten Spießgesellen, die da höchste Regierungsposten okkupieren und von der EU als legitime "Regierung" tituliert werden? Und die Umzingelung Russlands mit Nato-Staaten durch die EU? Und die handfeste militärische Expansion durch den amerikanischen Raktenschild in Polen und der Tschechoslowakei via EU?

Und was ist mit dem Expansionswahn der USA durch Unruhestiftung und Zerstörung in/ von souveränen Staaten, deren Politik nicht in die Agenda der USA passt bzw. deren Rohstoffvorkommen kostbarer sind als das Leben der dortigen Bürger?

Es ist nicht Russland, dessen Tagesgeschäft darin besteht, andere Länder aufzureiben. Das können die USA besser. 

Warten Sie es ab: Russland hat heute OSZE-Beobachter zu den Referenden auf der Krim am kommenden Sonntag zugelassen. Das Recht von ein paar zigtausend Leuten des Maidan, die die demokratisch und rechtswirksam gewählte Regierung stürzen durfte, dieses Recht muss den Bewohnern der Krim ebenfalls zugestanden werden, insbesondere, wenn dies durch friedliche Referenden unter Beobachtung der OSZE geschieht und im Widerstand zu Machthabern in Kiew, die zuvor eine demokratisch legitimierte Regierung wegputschte und ihre Macht einzig auf Gewalt und die Sympathie des Westens stützt. Ein paar zigtausend Menschen auf dem Marktplatz einer Hauptstadt sind nicht repräsentativ für 45Millionen Einwohner eines kompletten Landes!

Abschließend: Russland verteidigt sein seit 1783 bestehendes berechtigtes militärisches Interesse an der Krim auf humanere und legitimere Weise, als es Frankreich in Mali seit den 60er Jahren zwecks günstigen Rohstoffabbaus praktiziert und dies neuerdings  sogar mit der Unterstützung der EU!

Aber schön, dass die olympischen Spiele uns beide zu unseren Kommentaren hinreißen ließen, oder? Damit konnten die Sportler sporteln und wir uns über die wichtigen Sachen äußern ;)

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