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Martin Schulz: Unreflektierter EU-Nationalist
11.03.2014 18:51

Die Diagnose von Peter Scholl-Latour scheint zu stimmen: "Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung". Allerdings nicht nur durch Medien verursacht, sondern auch durch Gestalten wie Martin Schulz. Ein Zusammenschnitt seiner Rede zum EU-Wahlkampf bezeugt: Weder wählbar noch therapierbar.

Warum diese frechen Worte? Der geneigte Leser schaue sich DIESEN 3-Minüter einmal an und folge mir in eine kleine Betrachtung des dort präsentierten Verbalstuhls:

  1. Schulz will die EU-Bürger bei ihren Alltagssorgen und Problemen abholen

    DAS schafft noch nichtmal die Bundesregierung unter Beteiligung der SPD (Schulzens Partei) auf nationaler Ebene. Im Gegenteil: HartzIV erzeugt für einen wachsenden Teil der deutschen Bevölkerung nach wie vor diejenigen Sorgen und Probleme, die Schulz hier so pastoral allversöhnend beheben möchte. Und er meint nicht irgendeine Gruppe von Menschen, nein, er meint jeden einzelnen Menschen! Jeden einzelnen Griechen, dessen Existenz vernichtet ist; jeden einzelnen Arbeitslosen in Portugal und Spanien; jeden Wohnungslosen; jeden ohne ausreichende Rente im Alter... Er hat sie alle lieb und löst die Probleme aller. Für jeden Einzelnen der 505 Millionen EU-Einwohner, ganz individuell!
     
  2. "dass die Menschen das Gefühl haben, dass die Politik sie ernstnehmen" (er meint "ernst nimmt"...)

    Schulz merkt es nicht. Der merkt nix mehr. Wird er auch nie. Der ist durch den Wahlkampf derart unter Adrenalin, dass er nicht merkt, dass er versehentlich die Wahrheit über die EU auf den Punkt bringt:

    Ich wiederhole: "(...) dass die Menschen das GEFÜHL haben, dass die Politik sie ernst (nimmt)"

    Schulz reicht es, wenn die Einwohner der EU das GEFÜHL (!) haben, ernstgenommen zu werden. Dafür muss man sie nicht wirklich ernstnehmen. Und für ein gutes Gefühl reicht es aus, wenn der Rauschebartonkel davon spricht, die Probleme und Alltagssorgen jedes einzelnen lösen zu wollen. Dass er das niemals können wird, ist egal. Diese Menschen in dem Festzelt fahren voll darauf ab, dass Schnulze-Schulze sich so nett kümmern will.
     
  3. Dann spricht er davon, dass die EU andere Völker respektiert

    DAS schlägt dem Fass den Boden aus: Die EU hat hochrangige Vertreter in die Ukraine geschickt damit sie die Protestierenden dort durch flammende Reden gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Janukovitsch aufbrachten! Die EU hat immer wieder behauptet, die Ukrainer wünschten mehrheitlich den Anschluss an die EU und das mache der rege Protest auf dem Maidan auch sichtbar. Dies war jedoch eine Lüge, wie u.a. auch die ARD jüngst berichtete: Das ukrainische Volk ist in der Frage "pro oder contra EU" gespalten und dies wohl zu gleichen Teilen. Wo wurde da das Volk respektiert? Nirgends. 

    Nachdem der Maidan durch Mord und Totschlag am Ende auch den Präsidenten verjagen und viele Abgeordnete verfolgen und bedrohen konnte, sodass gegenwärtig die Vertreter der gewalttätigsten Maidan-Protestler eine Pseudoregierung bilden, nachdem also momentan eine faschistische Gewaltherrschaft installiert ist, tut Schulz so, als wisse er von nichts. Selbst, als er von der Vorsitzenden einer linken Partei der Ukraine auf die gegenwärtigen gewaltsamen Übergriffe gegen Oppositionelle in der Ukraine hingewiesen wird, windet er sich heraus. Vor Scham vergessen, wie sehr die EU mitverantwortlich für die momentane Situation in Kiew ist! Wo ist da auch nur der Hauch von Respekt?

    Schlimmer noch: Nachdem Putins Reaktionen darauf hinwiesen, dass Russland vielleicht ein hohes Interesse daran haben könnte, dass die Marinebasis an der Krim nicht in die Hände marodierender Faschisten oder via EU in die Nato kommt, fragte sich Schulz dumm und dämlich in der Öffentlichkeit: 

    "Warum fühlen sich die Russen eigentlich bedroht?"

    Ist Unwissen über einen europäischen Nachbarn Ausdruck von Respekt? Lassen wir Scholl-Latour die Antwort geben: 

    "(...) dann würde das aufgeblähte Territorium der fragilen Europäischen Union bis rund dreihundert Kilometer an jenes Schlachtfeld heranrücken, das unter dem Namen Stalingrad berühmt wurde. Haben die Deutschen jedes Gespür für die Tragik der eigenen Geschichte verloren?"

    Schulz hätte sich denken können, dass der von den USA in den EU-Staaten Polen und Rumänien installierte Raketenschild ein Problem für die Russen sein könnte. Die Nato und die USA betonen zwar, das sei gegen den Iran gerichtet - doch wer DAS glaubt, kauft sich auch eine Eintrittsarte für ein Festzelt, in dem Schulze eine Rede hält und glaubt, dass Sankt Martin sich persönlich um die Alltagsprobleme jedes einzelnen der 505 Millionen EU- Einwohner kümmert...

    Schulz hätte auch begreifen können, dass es schon eng an den Kaimauern der Krim ist, wenn die ukrainische und die russische Marine nebeneinander parken. Wenn nun noch EU-Flotten dort heimisch werden und die Navy sich ebenfalls dauerhaft einrichtet: Was ist dann noch von Russlands Standortvorteil und seinem direkten Seeweg ins Mittelmeer übrig? "Warum fühlen sich die Russen eigentlich bedroht", meine Güte, was für eine idiotische Frage und was für eine Offenbarung mangelnden Respekts!
     
  4. "Die überwältigende Mehrheit von Menschen, die ich treffe, die sind für die europäische Idee..."

    Da Schulz selten mal rauskommt aus seinem EU-Biotop, wird die überwältigende Anzahl derer, die dieser schlecht gestutzte Bartel überhaupt antrifft, tendenziell aus demselben Biotop stammen, wie Schulz selbst. Insofern ist seine Feststellung absurd. Weiterhin müsste man fragen, was er mit "europäische Idee" meint - ICH finde die europäische Idee beispielsweise auch famos, aber da die EU diese Idee leider pervertiert, finde ich die EU Mist.
     
  5. 68,5 Jahre ist der Krieg her, seitdem herrscht Frieden - das sei das Verdienst der EU

    "Und dass deutsche Truppen auf der Krim standen, das ist genau so lange her", ergänzt dieser Kasperkopp noch. Offenkundig hat er im Schwung der schlechtesten Rede, die die Welt je hören musste, vergessen, dass die EU sich von den USA gerade wieder in einen Krieg an der Krim drängen lassen! Flieger nach Polen, Nato-Truppenübungen an den russischen Grenzen von EU-Staaten (!), Drohung mit Sanktionen - alles das eskaliert gerade die Lage an der Krim. Cold war reloaded!

    Offenbar hat er ebenfalls vergessen, dass von der Leyen und Gauck und Steinmeier bereits mit dem Einsatz der deutschen Bundeswehr im Rahmen der EU liebäugeln und bereits der gemeinsame Kampfeinsatz neben den Franzosen in Mali in greifbarer Nähe steht! Nach rund 69 Jahren Friedenspflege wird es also dringend einmal wieder Zeit, militärisch aktiv zu werden?

    "Und deshalb, wenn wir über Europa reden, reden wir über den Frieden, ja, ich rede über den Frieden..." Bla, bla, bla. Wenn die EU so friedliebend ist, wie kann es sein, dass die Außenbeauftragte der EU, Catherine Ashton absolut ungerührt und kühl zur Kenntnis nimmt, dass die Scharfschützen, die auf dem Maidan in Kiew Demonstranten hinrichteten, aus den Reihen der Demonstranten selber stammten - dass das also "friendly fire" war? Wieso "kichert" der Außenminister eines EU-Staates, wenn er davon erzählt, wie Faschisten nachts in die Häuser von Abgeordneten stürmen und sie bedrohen?

    Die EU weiß auf höchster Ebene darüber bescheid, dass die aktuellen Machthaber mit Gestapo-Methoden demokratische Abgeordnete bedrohen, verfolgen und entführen und redet dennoch mit diesen Nazis, nennt sie obendrein noch "Regierung" und verhandelt mit denen? Und zeichnet den EU-Einwohnern das Bild einer honorigen Demokratenliga? Und überwirft sich mit Russland? Verdammt, Schulz: Für wie blöd hältst Du uns eigentlich?

    Und angesichts dessen WAGT (!) es dieser schlecht gestutzte Toupetkandidat mit kehliger Stimme irgendwas von "Frieden" daherzublöken? Und dann - um die impertinente Beklopptheit seiner Rede auf die Spitze zu treiben - dann spricht dieser Buchhändler noch davon, dass das Programm der Rechten immer war, die Völker gegeneinander zu hetzen und dass diese Rechten nun wieder da seien? Ja, warum sind sie denn da, in der Ukraine? Mit Hilfe der EU! Warum lässt die EU Faschisten in der Ukraine ihr Unwesen treiben? Wieso duldet die EU die Finanzierung von Oppositionsparteien in der Ukraine durch die Konrad-Adenauer-Stiftung? Warum lässt die EU eine solche Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Rechtsstaaten zu? Ist DAS der hochgelobte Friedensdienst der EU?
     
  6. Schulz weiter: "Das Gefühl 'wir sind besser' als Nation als andere, dieser Nationalismus heißt am Ende immer 'Krieg'. Und mir sagen viele Leute, naja, der Krieg ist ja gebannt, weil wir .... brauchen darüber nicht mehr zu reden, wir haben ja die EU. Ich sage umgekehrt: Ja, weil wir die EU haben, ist diese Kriegsgefahr ausgeschlossen, und deshalb kämpfen wir doch darum, dieses Projekt zu verteidigen, zu bewahren, es besser zu machen! Und wer will, der kann das am 25. Mai mit seiner Stimme tun !

    Schulz redet selber faschistoid daher und merkt es nichteinmal:

    Das von ihm gerügte Gefühl "wir sind besser" war nämlich genau DAS Gefühl, was die Redner der EU auf dem Maidan in die Menge geschrieen haben, um Russland zu schaden! Mit dieser Hetze gegen Russland hat man den Mob gegen eine legitime und demokratisch gewählte Regierung angeheizt! Von wegen "Respekt" vor anderen Nationen, von wegen Frieden! Weil die EU sich besser findet als Russland, sollten die Demonstranten gegen Janukovitsch aufbegehren.

    Ich hätte zu gerne einmal sehen wollen, was Schulz gegeifert hätte, wenn Medwedjev und Putin auf der von der EU geschundenen Akropolis Hetzreden gegen die EU gehalten hätten! "Einmischung in innere Angelegenheiten souveräner Staaten", hätte es dann getönt!

    Aber die EU-Politiker - die dürfen in der Ukraine gegen Russland aufrühren. Das ist EU-Nationalismus in Reinform: Die EU ist verdammtnochmal die einzige Lösung für die Ukraine und wenn dies die demokratische Regierung nicht anerkennen will, dann wird das Volk gegen sie aufgebracht. So einfach ist das! Und was ist das gegenwärtige Resultat in der Ukraine? Faschisten an der Macht. Nationalisten, die nach einer "reinen" Ukraine rufen. Von einem europäischen Gedanken ist bei diesen Leuten nicht viel zu merken...

    Was den Nationalismus der EU übrigens gemeingefährlich macht:

    Ihr Nationalismus ist multipliziert mit 28 Mitgliedstaaten und die EU kann sich hinter dem Argument verstecken, sie sei ein Staatenbund und eben keine Nation.

    Aber hindert es die USA als vereinigter Staatenbund, einen ausgeprägten Nationalismus in die Welt zu tragen und den Respekt davor notfalls daherzubomben?

    Wahrscheinlich lässt sich die EU auch deshalb gerne von den USA in einen Krieg gegen Russland und den europäischen Gedanken aufbringen: Gleich und gleich gesellt sich gern...

Abschließend:

Die Wortwahl von Schulz zum Ende hin ist interessant: Weil die Kriegsgefahr ausgeschlossen sei, müssten wir um die EU kämpfen und sie verteidigen.

NEIN, weil die EU die Kriegsgefahr aufgrund ihres Nationalismus' heraufbeschwört, müssen wir gegen die EU in dieser gegenwärtigen Verfasstheit kämpfen und das Menschen- und Völkerrecht verteidigen! Darum mein erneuter Aufruf:

Am 25. Mai NICHT an den Europawahlen teilnehmen! Gerade, weil es keinen besseren Kandidaten in der EU gibt, als Martin Schulz, wäre jede Wählerstimme ein Desaster!

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