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Ap
I love Europe, i mistrust the EU - the same you should do
27.04.2013 21:20

 

Bei einem griechischen Bekannten fand ich DIESE Karikatur: Unser Bundesadler thront auf dem maroden Euro. Euro und Adler sind Symbole der Wirtschaft und der politischen Gewalt. Drumherum herrscht Ödnis. 
 
Ich wurde in der Schule schon immer mit dem 3. Reich und unserer besonderen Verantwortung daraufhin konfrontiert. Wie viele andere auch. Könnte es sein, dass unser Geschichtsunterricht dazu führt, dass wir faschistische Nuancen nur an Leuten mit Glatze und Springerstiefeln erkennen, sie aber übersehen, wenn andere Völker unter unserem wirtschaftspolitischen Handeln leiden? 
 
Es beschämt mich, wenn der europäische Gedanke tatsächlich nur dazu benutzt wird, auf Kosten schwächerer Staaten Profite einzufahren und dies politisch von unserer - man behauptet "starken" - Nation auch noch kursgebend geduldet und gefördert wird. Politiker wie Öttinger machen uns Angst vor den USA und vor Asien. Wenn Europa sich nicht zusammenraufe, wären die europäischen Staaten nicht mehr wettbewerbsfähig und es bräche eine schlimme Zeit an.
 
Ich sehe eine viel realistischere und bereits konkrete Gefahr: Der Machtkampf um den Wettbewerb macht aus Nationen, die einander respektieren und achten sollten, egoistische Großunternehmen, die mit einer wirtschaftlichen Notverordnung die Demokratie ausschalten. Demokratie sei untauglich, wenn es um wirtschaftliche Fragen gehe, sagen diese Öttingers. Die Bürger hätten ihre Rechte zugunsten dieser wichtigen wirtschaftlichen Sache hintan zu stellen. Bürger kennten ohnehin die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht, darum seien sie viel zu inkompetent, als dass man ihnen ein Recht zur Mitbestimmung geben dürfe. Es brauche keine Demokratie dieser Tage, es brauche passender Strategien, Experten, Diplomaten. Bezeichnend, dass solche Rhetorik von Menschen kommt, die sich "Kommissar" nennen. 
 
Und wer sich der europäischen Idee gegenüber skeptisch verhält und sich fragt, ob es nicht auch mit eigenständigen europäischen Staaten ohne Machtvergabe an eine supranationale und undurchschaubare Organisation funktionieren könne, dem wird Nationalismus vorgeworfen. Man solle insbesondere als Deutscher das 3. Reich nicht vergessen. Währenddessen schließt Europa die Außengrenzen, bildet eigene Soldaten heran und unterdrückt jede Kritik. Wer unterdrückt diese Kritik? Es sind Kommissare, Direktoren, Gouverneure und "hohe Vertreter"; Amtsbezeichnungen, die für meine Begriffe wenig zu einem Europa der Demokratie und der Freiheit und des Rechts zu tun haben. Wo wird begrifflich deutlich, dass diese Menschen einem guten Ideal verpflichtet sind und diesem dienen, anstatt zu herrschen, Geschäfte zu führen, Anweisungen zu erteilen und erhöht zu sein? Überhaupt: Wie hoch ist so ein Vertreter? So hoch, dass er einen guten Überblick hat oder so hoch, dass er keine Berührung mehr mit den Bürgern hat? Gottes Friede soll nach Philipper 4,7 auch höher als jede Vernunft sein - darum wurden wohl auch soviele Kreuzzüge abgehalten. Hoheiten waren selten vernünftig.
 
In der Tat - angesichts dessen vergesse ich das 3. Reich nicht. Ich erinnere mich an den Geschichtsunterricht. Und mir fällt die Nummerierung auf: 1. Reich, 2. Reich, 3. Reich.... ist Europa am Ende das 4. Reich? Wenn "ja": Wie wird es sein? Werden uns nachfolgende Generationen fragen, warum wir zu deutlich bedenklichen Zeichen nicht frühzeitig protestiert haben? Ob wir nicht erkannt haben, dass die Angst der 30er Jahre  "vorm Russen" durch die Angst vorm Asiaten ausgetauscht wurde? Und dass die damalige florierende Waffenrüstungsindustrie heute eine Geldrüstungsindustrie ist? Soldaten im Anzug auf dem Parkett von Börse und Banken? Die alten Römer wären erstaunt, dass das heutige Geld nicht nur nicht stinkt, sondern gar nicht mehr existiert und dennoch Millionen Menschen zu knechten in der Lage ist.
 
Werden wir zukünftigen Generationen antworten, wir hätten nichts gewusst? Nicht bemerkt, dass es derart schlimm gewesen sei, dass sich bspw. in Griechenland Menschen öffentlich verbrennen, weil sie wirtschaftlich in den Ruin getrieben wurden und ein letztes, verzweifeltes Zeichen setzen wollten? 
 
Ich glaube mittlerweile den Alten, die erzählen, sie hätten nichts von Hitlers Gräueltaten gewusst. In der Mitte des 3. Reiches, da ahnten sie etwas, glaubten es aber nicht, weil es zu unsäglich erschien. Zum Ende hin - ja, da wussten sie es dann, aber da trauten sie sich nicht, etwas zu sagen. Da waren ja auch bereits alle Maßnahmen getroffen, dass etwaige Kritiker verschwinden konnten.
 
Darum lerne ich von den Alten, die damals nicht frühzeitig protestiert haben, dass ich gegenwärtig bereits bei Indizien nervös und vernehmbar werden sollte. Dass herrlich klingende Ämter verdächtig sind. Dass Angstmacherei vor anderen Ländern nur gefügig machen soll. Dass unser Bundesadler in einer Karikatur auf dem Euro thronend einen wahren Kern hat und zum Empören aufruft.
 
I love Europe
but I mistrust the EU-
the same you should do.

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